IT

Wie man auch als Quereinsteiger in der IT durchstarten kann

20.12.2018 - Monika Riedl - Min. Lesezeit
Die zunehmende Digitalisierung unseres Lebens bietet IT-Profis glänzende Beschäftigungsaussichten. Durch den auf Sicht anhaltenden Fachkräftemangel haben auch technikinteressierte Informatik-Quereinsteiger gute Chancen, in der IT-Branche Fuß zu fassen.

„Schuster bleib bei deinen Leisten“: Dieser gut gemeinte Rat unserer Großeltern gilt heute nicht mehr. Denn die Zeiten, in denen eine Ausbildung für das ganze Arbeitsleben reichte, sind in vielen Branchen vorbei. Heute liebäugeln viele Arbeitnehmer nach einer gewissen Zeit mit einen Jobwechsel: weil sie im angestammten Beruf nicht mehr vorwärts kommen, weil sie andere Interessen entwickelt haben oder sich vielleicht nochmal komplett verändern möchten.

Der durch die zunehmende Digitalisierung stetig wachsende Informatikbereich lockt hier mit langfristigen Beschäftigungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten – und nicht zuletzt auch durch gute Verdienstmöglichkeiten. Systemadministratoren, Software- und App-Entwickler, Netzwerk- und Sicherheitsexperten gehören zu den meistgesuchten IT-Fachkräften. Auch wenn laut Befragungen des IT- und Telekommunikationsverbands Bitkom die Beschäftigtenzahl in der Branche 2018 um 3,4 Prozent auf gut 1,13 Millionen steigen soll, fehlen weiterhin rund 55.000 IT-Spezialisten aus den verschiedenen Sparten.

Durch diesen Fachkräftemangel bieten sich Informatik-Quereinsteigern heute fast ebenso gute Chancen wie in den Gründerzeiten der Branche. Viele der heutigen Führungskräfte im IT-Bereich haben als Studienabbrecher oder mit technikferner Ausbildung als Seiteneinsteiger in der IT-Branche Fuß gefasst. Im Zuge der Digitalisierung ergeben sich zudem kontinuierlich neue Tätigkeitsfelder, die sich auch für Quereinsteiger anbieten, ja sogar Experten brauchen, die in mehreren Gebieten über Fachwissen verfügen.

Aus- und Weiterbildungsangebote für den Quereinstieg in die IT-Branche nutzen

Einen gewissen theoretischen Grundstock für den neuen IT-Traumjob sollten potentielle Berufswechsler schon mitbringen. Der muss nicht immer in Form von Fortbildungen oder einem Studium erworben werden, selbst wenn die Abschlüsse und Zertifikate sicher ein Türöffner für die Branche bedeuten. Manche Skills, etwa Programmierkenntnisse, kann man sich auch selbst neben dem Beruf beibringen.

Das Lernangebot ist vielfältig – von Hackathons über Webinare bis hin zu E-Learning-Plattformen. Daneben bieten kommerzielle PC-Schulungsanbieter vielfältige Lehrgänge zu nahezu jedem IT-Thema an. Schon allein aufgrund der oft hohen Kursgebühren empfiehlt es sich jedoch, sich vor der Anmeldung über die Qualität der Ausbildung und den Nutzen des entsprechenden Zertifikats genauer zu erkundigen.

Oft bieten die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern preiswertere Aus- und Weiterbildungen für den Quereinstieg in die IT an. Je nach persönlichen Umständen kann auch eine Umschulung über das Jobcenter der Arbeitsagentur den Wechsel ebnen.

Wer den Einstieg in die IT-Branche ins Auge fasst, sollte zunächst herausfinden, was einem persönlich liegt und bei welchen technischen Themen man die Motivation verspürt, sich wirklich intensiv damit zu befassen und vollen Einsatz zu zeigen. Denn die IT-Ausbildung auf dem zweiten, dritten oder privaten Bildungsweg erfordert hohe Motivation, Engagement sowie einen langen Atem. Auch das private Umfeld muss das oft zeitaufwendige Lernen neben dem normalen Berufsleben unterstützen.

Im Personalgespräch den Wechsel in den IT-Job ebnen

Natürlich gibt es auf dem Weg zum Quereinstieg in den Informatikbereich auch Komplikationen und Hindernisse. Je älter man ist, desto mehr Mut, Persistenz und Motivation sind notwendig, um aus den gewohnten Bahnen auszubrechen und sich auch gegen jüngere Konkurrenz durchzusetzen. IT-Quereinsteiger neigen wie Seiteneinsteiger allgemein zudem dazu, aus Unsicherheit ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Doch was oft vergessen wird: Die im bisherigen Berufsleben erworbene Erfahrung, Soft Skills und erprobte Herangehensweisen können im neuen IT-Umfeld ebenfalls nützlich sein. Partner, Familie oder Freunde können bei der Analyse der Stärken helfen und weitere positive Eigenschaften und Qualifikationen finden.

Diese Pluspunkte gilt es im Vorstellungsgespräch dem Personaler richtig zu verkaufen. Noch wichtiger ist aber, die Gründe für die berufliche Entwicklung in den IT-Bereich  nachvollziehbar darzulegen. Denn ist das fachspezifische Wissen für den angestrebten Informatikjob vorhanden, kann eine starke Veränderung im Lebenslauf durchaus Interesse hervorrufen. Denn auch IT-Unternehmen suchen oft Mitarbeiter mit einem frischen Blick und neuen Ideen. Zudem beweist eine Neuorientierung in ein technisch anspruchsvolleres Betätigungsfeld auch Biss und das nötige Durchhaltevermögen, noch einmal etwas ganz Neues anzugehen. Positive Eigenschaften, die sich durchaus im Job bezahlt machen und im Bereich Soft Skills Eindruck hinterlassen können.

Hilfe für den Informatik Quereinstieg suchen

Wie bekomme ich als Branchenfremder im IT-Bereich einen Fuß in die Tür? Wie verkaufe ich mich als Informatik-Quereinsteiger am besten? Was schreibe ich in Lebenslauf und Anschreiben? Es gibt zahlreiche Detailfragen auf dem Weg in das neue IT-Berufsfeld. Rat und Hilfe finden Wechselwillige zum Beispiel bei Coaches, Recruitern von Personaldienstleistern oder bei Beratungsterminen auf Karrieremessen. Ein persönliches Gespräch mit einem Karriere-Experten, der sich in der IT-Branche auskennt, hilft dabei, die bisherigen Tätigkeiten und persönlichen Ziele zu analysieren und vorhandene Kenntnisse und Interessen auszuloten.

Mit Unterstützung, einer soliden Planung, Zielstrebigkeit und Ausdauer kann man also auch als Quereinsteiger in der IT-Branche seinen Weg machen.

Tipps für den IT-Quereinstieg

Das sollte man beachten, wenn man sich neu orientieren und in der IT-Branche als Quereinsteiger Fuß fassen will:

  • Bestandsaufnahme machen: Wer an dem Punkt ist, an dem er über einen Wechsel in die IT-Branche nachdenkt, sollte die Beweggründe durchgehen. Das geht am besten mit einfachen Fragen: Fühle ich mich in meinem jetzigen Job unter- oder überfordert? Bin ich mit meinen Aufgaben, meinem Gehalt, meinem Arbeitsumfeld oder den Kollegen unzufrieden? Was fehlt mir momentan und was wünsche ich mir? Was ist mir besonders wichtig, z.B. mehr freie Zeit, eigene Projektverantwortung oder die Möglichkeit, Home Office zu machen?

  • IT-Weiterbildung starten: Bereits vor dem Quereinstieg sollte man beginnen, sich für den neuen IT-Job zu qualifizieren. Diese Fortbildungen können auch privat besucht werden, sollten am Ende aber ein anerkanntes Zertifikat oder einen anderen Nachweis bringen. Das zeigt Eigeninitiative und gibt gute Argumente an die Hand für die Bewerbung.

  • Referenzen nutzen: Vitamin B ist heutzutage extrem wichtig bei der Jobsuche, insbesondere für potenzielle Branchenwechsler. Kontakte, die Know-how, Zuverlässigkeit, Effizienz oder strukturierte Arbeitsweise belegen können, sind für eine Bewerbung wichtig. Deshalb bereits im Vorfeld ehemalige Kommilitonen, Professoren, Kollegen oder Geschäftspartner über Plattformen wie Xing oder LinkedIn ansprechen und so das Netzwerk ausbauen.

  • Fähigkeiten hervorheben: Vorhandene Qualifikationen und Kenntnisse, die für den neuen Job nützlich sind, sollten im Anschreiben und Lebenslauf hervorgehoben werden.

  • Gründe benennen: Die Motivation für den geplanten Quereinstieg in den IT-Bereich sollten im Einstellungsgespräch klar dargestellt werden. Sie muss nachvollziehbar sein und zeigen, dass die Entscheidung gut durchdacht und mit ein wenig Unterstützung auch umsetzbar ist.

  • Belastbarkeit zeigen: Beim Quereinstieg in die IT-Branche müssen erfahrungsgemäß im neuen Job zu Beginn viele Dinge gelernt werden. Das bedeutet eine zusätzliche Belastung zur täglichen Arbeit. Das man sich dieser Belastung bewusst ist und stellen will, sollte ebenfalls ein Thema im Einstellungsgespräch sein.

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Monika Riedl

Monika Riedl ist Redakteurin bei GULP und unter anderem zuständig für die Knowledge Base, dem Informationspool für den IT- und Engineering-Projektmarkt. Nach ihrem Studium der Allgemeinen und Typologischen Sprachwissenschaft an der LMU München führte sie ihr Weg über eine PR-Agentur zu GULP, wo sie neben ihrer redaktionellen Arbeit die Bereiche Social Media und PR verantwortet.