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Weiterbildung-Trends 2019: IT-Professionals wollen von ihren Arbeitgebern gefördert werden

31.05.2019 - Monika Riedl - Min. Lesezeit
Kaum eine Branche ist schneller getaktet als die IT-Branche. Was heute noch als neueste Innovation gilt, gehört morgen schon zum Standard und übermorgen zum alten Eisen. Damit dies nicht auch Ihnen als IT-Professional passiert, ist die ständige Weiterbildung Programm. Trotzdem: Eine aktuelle Umfrage zur Weiterbildung, die wir unter 265 IT-Professionals durchgeführt haben, zeigt, dass über 70 Prozent der in der IT Angestellten hier den aktuellen technischen Anforderungen deutlich hinterherhinken. Mehr als die Hälfte der Befragten findet: Die Arbeitgeber sind schuld daran. Warum dies so gesehen wird und welche weiteren Trends 2019 in der Weiterbildung wichtig werden, erfahren Sie in diesem Blogartikel. 

Neben der steigenden Anzahl von Innovationen gibt es auch immer mehr neue gesetzliche Bestimmungen, die IT-Leute auf dem Schirm haben müssen. Man denke nur an die DSGVO im Mai letzten Jahres. Wer als IT-Experte auf der Höhe bleiben möchte, muss sich ständig weiterbilden – das zeigen die Weiterbildungstrends 2019 ganz deutlich. 

Höchste Erwartungen an Informatiker

In kaum einem anderen Wirtschaftsbereich hat sich das Arbeitsumfeld in den vergangenen Jahren so rasant gewandelt. Permanent neue Methoden, wie zum Beispiel agile Prozessmanagement-Ansätze und geschäftliche Abläufe im Zuge der digitalen Transformation, sorgen dafür, dass Weiterbildung in der Informatik unabdingbar ist – regelmäßig und ein Leben lang. Dabei ist Fortbildung nicht nur notwendig, um sich überhaupt für einen Job zu qualifizieren. Je besser ausgebildet Mitarbeiter sind, desto größer sind für sie Einsatzmöglichkeiten und Karrierechancen im Unternehmen. 

Im Weiterbildungstrend: lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen ist also insbesondere in der IT-Branche kein Nice-to-Have, sondern ein absolutes Muss. Deshalb sind Arbeitgeber auf eine große Lernbereitschaft ihrer Mitarbeiter angewiesen. Denn ohne Mitarbeiter, die immer auf dem neuesten Stand sind, wird es auf Dauer schwer, mit der Konkurrenz Schritt zu halten oder gar den Mitbewerbern einen Schritt voraus zu sein. Doch unsere Weiterbildungsstudie gibt in diesem Punkt Entwarnung: Nahezu 100 Prozent der IT-Professionals sind bereit, sich dauerhaft weiterzubilden – auch ein Leben lang. 

Glücklich, wer in der IT arbeitet

Laut Umfragen zählen IT-Experten zu den glücklichsten Arbeitnehmern in Deutschland. Denn IT-Leute sind, wie keine andere Berufsgruppe, sowohl mit ihrer Vergütung als meist auch mit der ihnen vom Chef entgegengebrachten Wertschätzung mehr als zufrieden. Kein Wunder, denn im stark umkämpften Arbeitsmarkt müssen Arbeitgeber schon ganz gehörig etwas auffahren, um Mitarbeiter von sich zu überzeugen. In der IT-Branche gilt dies noch um ein Vielfaches mehr als bei anderen Fachkräften.

Das Gehalt ist nur zweitrangig

Jedoch: Nicht immer ist es einfach, eine IT-Fachkraft als Angestellten zu gewinnen und vor allem zu halten. Neben dem Gehalt spielen weiche Faktoren eine große Rolle. Zu diesen gehören auf jeden Fall regelmäßige Weiterbildungen, ganz gleich ob diese intern oder extern organisiert werden. Weiterbildung innerhalb des Unternehmens sorgt vor allem für ein gleich hohes Bildungsniveau unter den Team-Mitgliedern. Gleichzeitig wird der interne Wissensaustausch gefördert, was auch Pluspunkte innerhalb der Unternehmenskommunikation einbringt.

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Viele wollen, tun es aber dann doch nicht

Kurios: Obwohl fast alle Befragten in der Studie zur Weiterbildung in der IT angeben, dass ihnen kontinuierliches Lernen wichtig ist, ist nur ein Drittel mit dem eigenen Weiterbildungs-Know-how zufrieden oder sehr zufrieden. Die Gründe dafür sind vielfältig. 25 Prozent der Studienteilnehmer fehlt einfach die Zeit, um sich weiterzubilden. 16 Prozent finden für sich nicht die richtigen Schulungen.

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Weiterbildungsangebot als Wechselmotivation

Ergebnis der IT-Umfrage: Arbeitgeber geben sich zu wenig Mühe bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter

Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang: Wer ist für die Weiterbildung der Mitarbeiter verantwortlich? Alleine der Chef? Oder sollte sich der Mitarbeiter selbst um seine Weiterbildung kümmern? Wo fängt die Verantwortlichkeit der Unternehmen für die Bildung der Mitarbeiter an und wo ist Eigeninitiative gefragt? Eins steht fest: In der IT-Umfrage gaben über die Hälfte an, mit dem Angebot ihres Arbeitgebers unzufrieden zu sein. Ein weiteres Drittel ist sich noch nicht einmal sicher, ob ihr Unternehmen Weiterbildungen überhaupt unterstützen würde.

Umfassendes Weiterbildungsangebot als Unternehmens-USP

Um sich von Arbeitgebern ohne Weiterbildungsangebot signifikant zu unterscheiden, eignet sich ein vielfältiges und auf das Team sowie jeden einzelnen Mitarbeiter abgestimmtes Weiterbildungskonzept. Das könnte zum Beispiel aus Parametern dieser Auflistung bestehen:

  • Vortragsreihen mit externen Experten, die interessante Impulse geben
  • Interne Vorträge und Workshops durch die eigenen Mitarbeiter
  • Eine monatliche Workshop-Reihe zu überfachlichen Themen, beispielsweise „Wie präsentiere ich erfolgreich?“ oder „Reklamationsmanagement"
  • Ein Webinar-Angebot zu unterschiedlichen Bereichen
  • Business-Englisch-Kurs, der unterschiedliche Thematiken behandelt (E-Mails, Verhandlungen, Präsentationen)
  • Ein monatlicher Business-Lunch für Führungskräfte, bei dem auch Vorträge gehalten werden
  • Bei Bedarf individuelle Coachings sowie externe Trainings
  • Azubis werden in einer Azubi-Academy fit für ihre Aufgaben gemacht
  • Neue Mitarbeiter erhalten in einer Info-Reihe alle wichtigen Infos zur Company
  • Fernlehrgänge und vereinzelt auch komplette Masterstudiengänge, die nebenberuflich absolviert werden können

Fest steht: Umfassender Aufwand ist nötig, um IT-Mitarbeiter anzulocken und zu halten. Denn Arbeitnehmer haben verstanden, dass IT-Fachkräfte bei Gehaltsverhandlungen sozusagen aus der Pole Position starten. Unternehmen werben um ihre Gunst und nicht mehr umgekehrt. Verhandlungsmasse ist dabei schon lange nicht mehr nur das Gehalt, sondern viel eher weiche Aspekte.

Weiterbildung toppt Gehalt

So ist laut der IT-Umfrage neben anderen Parametern für über 70 Prozent der befragten IT-Professionals ein gutes Weiterbildungsangebot relevant für die Wahl des Arbeitgebers. Diese Relevanz wird nur noch durch die Zusammenarbeit in einem harmonischen Team getoppt (90,1 Prozent). Erst danach folgen das gute Gehalt und die technische Ausstattung. Nur ca. 10 Prozent legen keinen besonderen Wert auf die Weiterbildung. Dass sie könnten, wenn sie wollten, weiß nur ein Drittel der Befragten. In ihren Augen eignen sich klassische Seminare innerhalb der Arbeitszeit, denn Freizeit soll Freizeit bleiben: Außerhalb der Arbeitszeit zeigen sich nur 14 Prozent motiviert, etwas für die Optimierung ihres Know-hows zu tun.

Ein kurzer Exkurs am Rande: Ob der Arbeitgeber in diesem Fall Weiterbildung „verordnen“ kann, ist meist im Arbeitsvertrag festgehalten. Allerdings kann der Arbeitgeber Schulungen verlangen, wenn sein Mitarbeiter aufgrund gestiegener Anforderungen nicht über die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt, um die in seiner Job-Beschreibung definierten Anforderungen zu erfüllen. Zumindest, wenn die berufliche Fortbildung während der Arbeitszeit erfolgen kann. 

3-Wahl-des-Arbeitgebers

KI und Machine Learning sind die Themen, die IT-Mitarbeiter interessieren

Künstliche Intelligenz und Machine Learning sowie Big Data und Business Intelligence wurden von 36,8 Prozent der Befragten als die Bereiche genannt, in denen die IT-Professionals ihr Fachwissen auf- und ausbauen möchten. 12 bzw. 15 Prozent waren an einer Fortbildung in den Bereichen VR/AR und SAP-Entwicklung interessiert.

 

Fazit:

Die Studie zur Weiterbildung zeigt: Der „War for Talents“ wird bei einem ohnehin relativ hohen Gehaltsniveau laut unserer Umfrage nicht selten durch das Weiterbildungsangebot entschieden. Denn Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt, wenn der Chef sich für ihr berufliches Weiterkommen interessiert, sie für die Weiterbildung freistellt und Geld in sie investiert. Wer das als Arbeitgeber verstanden hat, kann sich sicher sein, einen großen Beitrag für die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter zu leisten.

 

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Monika Riedl

Monika Riedl ist Redakteurin bei GULP und unter anderem zuständig für die Knowledge Base, dem Informationspool für den IT- und Engineering-Projektmarkt. Nach ihrem Studium der Allgemeinen und Typologischen Sprachwissenschaft an der LMU München führte sie ihr Weg über eine PR-Agentur zu GULP, wo sie neben ihrer redaktionellen Arbeit die Bereiche Social Media und PR verantwortet.