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Als Informatiker bei einer Bank

09.05.2019 - Florentin Kolitsch - Min. Lesezeit
Nach der Finanzkrise wechselten viele frustrierte Banker zu Tech-Unternehmen. Jetzt gibt es den umgekehrten Trend: IT-Experten entdecken den Banksektor für sich. Warum ist das so? Was ist für Informatiker spannend daran, bei einer Bank zu arbeiten? Welche Herausforderungen erwarten sie dort? Wir geben IT-lern einen Einblick in die Finanzbranche!

Laut Statista nutzten 2018 etwa 50 Prozent der Deutschen Online-Banking-Dienste. Hunderte von Apps wollen Nutzern den Umgang mit ihren Finanzen erleichtern. Willkommen in der neuen digitalen Welt der Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister. Allerdings bedeutet die Digitalisierung der Banken viel mehr als eine hippe Webseite und eine coole App. Kaum ein Bankenbereich funktioniert mittlerweile ohne IT: Das reicht von der Software zur Risikomessung über Kalkulationssoftware, mit der Kundenberater der Bank zum Beispiel Baukredite berechnen, bis hin zum Business Consulting – etwa zur Umsetzung neuer Richtlinien der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Europäischen Zentralbank (EZB).

Dabei hinkte die Finanzbranche beim Thema Digitalisierung lange Zeit hinterher. Zudem sind die Rahmenbedingungen im Finanzgewerbe derzeit alles andere als einfach. Niedrige Zinsen, viele staatliche Regularien und selbstbestimmte Kunden stellen große Herausforderungen an die Bankinstitute. Die Konkurrenz wächst in der Finanzbranche zudem durch Spezialisierung, wie bei Leasing-Banken der großen Automobilhersteller oder Direktbanken ohne Filialsystem. Weitere Wettbewerber: Bezahlsysteme von Auktionshäusern, Onlineshops sowie Supermarktkassen, an denen Geld ausgezahlt wird.

Banken starten digital durch

Was sich erst einmal recht düster für die Zukunft der Banken anhört, birgt auch große Chancen. So jedenfalls geht laut audimax die Deutsche Bank die zukünftigen Herausforderungen in der Finanzbranche an. Sie hat erkannt, dass das gesammelte finanzielle Fachwissen, die dazugehörigen Kontakte und der Vertrauensaufbau ins Unternehmertum, ins Investmentgeschäft sowie zu den Privatkunden einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil ausmacht, der genutzt werden sollte. Darüber hinaus stellen natürlich auch die riesigen Mengen an Kundendaten einen nicht zu unterschätzenden Wert dar.

Zur Unterstützung beim Einsatz digitaler Technologien, wie beispielsweise KI, Robotik, Quantum-Computing oder Cyber-Sicherheit, hat etwa die Deutsche Bank globale Innovationszentren in Berlin, London, New York und im Silicon Valley eröffnet. Die vier Innovation Labs unterstützen die Bank bei der Weiterentwicklung ihrer Produkte, Dienstleistungen und Prozesse. Sie stärken die Innovationskraft sowie die Geschäftsbeziehungen der Bank zu Start-up-Unternehmen im Technologiesektor. Die Zentren sind Teil der Digitalisierungsinitiativen im Rahmen der sogenannten „Strategie 2020“, bei der die Bank in den kommenden Jahren bis zu einer Milliarde Euro für die Digitalisierung bereitstellen möchte.

Mitarbeiter der Bank und ihrer Partner erarbeiten gemeinsam mit Start-ups und akademischen Einrichtungen technische Lösungen für die betrieblichen Anforderungen der Bank und ihrer Kunden. Im nächsten Schritt testen sie diese Technologien in den Zentren und entwickeln sie weiter, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit den Kunden. Ziel ist es, jährlich über 500 Start-up-Ideen in den Zentren zu bewerten.

Im Mittelpunkt steht dabei der Begriff Digital Transformation. Beispielsweise hat die Deutsche Bank eine Banking-App für die Apple Watch entwickelt und ermöglichte als erste Bank in Deutschland ihren Kunden, sich persönliche Finanzinformationen bequem am Handgelenk anzeigen zu lassen. Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Münchner Start-up Gini, das sich auf Dokumentenerkennung spezialisiert hat. So kann der Kunde mit seinem Smartphone eine Rechnung fotografieren und eine App fügt alle relevanten Bankdaten in das Online-Banking-System ein. Eine IBAN-Nummer muss nicht mehr manuell eingegeben werden.

Für Informatiker gibt es in der Finanzbranche viel zu tun

So ist an den Schnittstellen zum Kunden zwar bereits einiges geschehen – doch die internen Prozesse werden nur sukzessive digitalisiert. Das ist dringend nötig, denn anders lassen sich die umfangreichen Datenmengen, die durch online-basierte Geschäftsmodelle, aber auch durch die anhaltend hohen Regulierungsanforderungen, gesammelt werden, nicht in den Griff bekommen – Big Data lässt grüßen. Nicht zuletzt hat die IT-Sicherheit einen hohen Stellenwert in einer Branche, deren Geschäftsmodell auch wesentlich vom Vertrauen ihrer Kunden abhängig ist.

Zudem machen mittlerweile Fintechs Banken und Versicherungen Konkurrenz. Sie setzen von Beginn an innovative Technologien ein. Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich dabei: Fintechs vermitteln beispielsweise Finanzprodukte, unterstützen Kunden bei Finanzentscheidungen oder bieten Kreditvergleichsdienste.

Fest steht: Prozesse und Produkte werden sich in der Finanzwelt weiterhin verändern. Außerdem werden die Entwicklungszyklen zunehmend schneller. Deshalb braucht die Finanzbranche dringend Informatiker und Wirtschaftsinformatiker, die die Banken auf ihrem Weg in die Digitalisierung begleiten.

Mithilfe von IT Kundenbedürfnisse besser erfüllen

Es ist zwar nicht so, dass Banking heute nur aus IT besteht, aber die vielfältigen Herausforderungen an Banken – vom veränderten Kundenverhalten über Regularien und Compliance bis zu Sicherheitsfragen – sind zum größten Teil nur noch mit entsprechender Technologie zu lösen. Auch wenn Banking letztlich immer Vertrauenssache bleibt. Aber auch da kann die IT Banken zum Beispiel in punkto einer verbesserten und individuelleren Kundenansprache unterstützen. Wer die zahlreichen Daten und Informationen über das Kundenverhalten geschickt analysiert, lernt die Verbraucher besser kennen und kann auf sie optimierte Services anbieten. 

Jobs für Informatiker im Bankensektor sind lukrativ und abwechslungsreich

Dazu beschäftigen Banken einige der besten Informatiker der Welt. Das können sie sich auch leisten, weil sie im Gegensatz zu anderen Branchen große Budgets für die Digitalisierung bereitstellen. Banken sind für IT-ler zudem besonders interessant, da die Arbeit dort herausfordernd und spannend ist. Wie schon aufgezeigt, bewegt sich die Banken-IT in einem schnellen und innovativen Umfeld. Informatiker müssen die Anwender im Haus zufriedenstellen, auf die veränderten Bedürfnisse der Endverbraucher eingehen, Compliance-Vorgaben erfüllen und vor allem für höchste Sicherheit sorgen. Gleichzeitig unterstützen sie die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. 

Zahlreiche Jobs für IT-ler in Banken

Die Aufgaben für Informatiker in Banken sind entsprechend abwechslungsreich: IT-Inhouse Consulting, Governance, Großrechnersysteme, IT-Datenbankadministration, Netzwerkmanagement, Systembetreuung und Software-Entwicklung sind nur einige davon. In fast jedem Banken-Bereich sind IT-Spezialisten zu finden. So kann es zum Beispiel die Aufgabe eines IT-Projektleiters bei einer Bank sein, Projekte zu planen, den jeweiligen Zeitrahmen festzulegen und die Verantwortlichen zu bestimmen. Auch während der Umsetzung muss der IT-Spezialist stets den Überblick über das Projekt behalten, Teilziele dokumentieren und Vertragsverhandlungen mit verschiedensten Dienstleistern führen. Dabei kommt er mit vielen unterschiedlichen Themen und Menschen in Kontakt. Aus diesem Grund sind für IT-ler in Banken nicht nur inhaltliche und konzeptionelle Fähigkeiten, sondern auch gute Kommunikations-Skills gefragt.

Das müssen Informatiker im Bankwesen können

Immer häufiger arbeiten Informatiker dabei in agilen Teams eng mit Produkt- und Testmanagern zusammen, die neu entwickelte Features prüfen. Insbesondere Fintechs und moderne Finanzdienstleister setzen auf die agile Softwareentwicklung. Das bedeutet: sich selbst organisierende Teams, ein geringer bürokratischer Aufwand und eine schnellere Time-to-Market. Dabei werden Software-Entwickler früh in die Ideenfindung eingebunden und gestalten die Produkte mit.

Finanzwissen ist dabei meist keine primäre Voraussetzung. Allerding sollten sich Informatiker in Banken mit PHP-Programmierung und dem Datenbanksystem MySQL auskennen. Kenntnisse zu weiteren Softwareprogrammen sowie dem Webframework Symfony sind von Vorteil. Wichtig ist zudem, dass Bewerber ein gutes Abstraktionsvermögen, eine schnelle Auffassungsgabe und natürlich Interesse an Themen rund um die Banking-Branche haben. Das kann übrigens auf Mathematiker ebenso zutreffen wie auf Physiker oder Informatiker.

Fazit:

Die Finanzbranche ist alles andere als verstaubt. Es tut sich derzeit eine Menge – mitunter mehr als in anderen Branchen, die die Digitalisierung ihrer Prozesse weitgehend abgeschlossen haben und mittlerweile wieder zur Tagesordnung übergegangen sind. IT-ler, die Lust auf Veränderung haben, sind bei Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistern oder Fintechs gut aufgehoben.

Interessant: Viele Banken haben damit begonnen, ihre Attraktivität als Arbeitgeber für Informatiker durch gezielte Initiativen, wie zum Beispiel die Deutsche Bank Innovation Labs, zu steigern. Den Wettbewerb um die besten IT-Köpfe können die Banken noch deutlicher zu ihren Gunsten entscheiden, indem sie weiterhin in ein kreatives und innovatives Umfeld investieren und ihr Image als attraktiver Arbeitgeber mit anspruchsvollen Aufgaben, Entwicklungsmöglichkeiten sowie einer modern ausgerichteten Work-Life-Balance weiterentwickeln.

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Florentin Kolitsch

Florentin Kolitsch ist seit 2017 Permanent Placement Consultant bei GULP in Hamburg. An der Leuphana Universität Lüneburg hat er BWL mit den Schwerpunkten Personalmanagement und Wirtschaftsrecht studiert. Bereits nebenbei hat er einen Blick in die Praxis gewagt und vermittelt seit September 2014 Jobs für IT-Experten. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Microsoft- und Frontend-Technologien sowie C++ und Softwaretesting.