IT

Hackathons und Lab Days: Mehr als nur Frontalberieselung

24.09.2018 - Sergey Rysev - Min. Lesezeit

Wissen ist Macht. Und Wissen entwickelt sich unglaublich schnell, gerade in der IT. Deswegen ist Weiterbildung so wichtig wie nie. Klassische Präsenzseminare eignen sich in der IT nur bedingt dafür. Doch es gibt eine Menge Alternativen.

Das Wissen der Welt verdoppelt sich in immer kürzeren Abständen. Treiber dieser Entwicklung ist die Technologie, vor allem die Informationstechnologie. Um so wichtiger ist es, sein IT-Wissen up-to-date zu halten. Fortbildungsangebote gibt es wie Sand am Meer. Der Klassiker sind Präsenzseminare, die man bei einer einschlägigen Akademie oder bei einem professionellen Seminaranbieter besuchen kann. Der Ablauf ist eher oldschool: Ein Dozent spult sein Programm ab, streut ein paar Übungen ein und lässt Teilnehmer mal mehr, mal weniger Fragen stellen. Als Seminarteilnehmer ist man dabei weitgehend fremdbestimmt. Die Gefahr, in den Berieselungsmodus zu schalten, ist hoch. Außerdem gibt es bei der Anmeldung  keinen Einfluss darauf, wer sonst noch am Seminar teilnimmt. Und wenn die Gruppe zu heterogen ist, wird es für alle Beteiligten schnell frustrierend.  

Selbstbestimmt und spielerisch lernen

Doch es gibt eine Reihe von Weiterbildungsmöglichkeiten, die sich viel mehr nach den Bedürfnissen der Teilnehmer richten. Meet-ups sind lockere Treffen, bei denen Macher ihre neuesten Projekte vorstellen. Aber nicht langatmig, sondern in etwa 10-15 Minuten. Oft hat das den Charakter eines Werkstattberichts, bei dem die Speaker erklären, wie sie ein Produkt entwickelt haben. Und das Publikum kann ganz konkrete Nachfragen stellen. Ähnlich sind Lab Days aufgebaut, die oft von Universitäten veranstaltet werden.  Hier präsentieren Uni-Mitarbeiter und Studenten ihre Forschungsarbeiten bzw. Semesterprojekte und stehen den Besuchern Rede und Antwort. Manche Lab Days bieten auch die Möglichkeit, selbst zu experimentieren. 

Zu den Formaten, bei denen man sich Wissen spontan aneignen kann, zählen die Barcamps. Sie dauern in der Regel einen oder zwei Tage. Oft wird erst vor Ort entschieden, mit welchen Sessions das Oberthema konkret gefüllt wird und welchen Charakter die einzelnen Sessions haben: ob eher inspirierende Keynotes, Diskussionen, Hands-On-Workshops oder die Arbeit an einem konkreten Projekt. Manche Barcamps planen das im Vorfeld ein bisschen genauer oder rufen die Interessenten auf, Vorschläge für Sessions einzureichen.

Ganz gemäß der Devise „learning by doing“ sind Hackathons ausgerichtet. Hier geht es darum, selbst Hand anzulegen. Oft gibt es ein Oberthema, zu dem die Teams in einem bestimmten Zeitraum einen Prototyp entwickeln sollen. Manchmal auch in einer Reihe von Sprints: Agile Softwareentwicklung im Kleinen sozusagen. Die Teams sind oft interdisziplinär zusammengestellt: Je nach Aufgabe gehören Entwickler, Programmierer, Designer oder auch Texter dazu. Manche Teams kommen schon geschlossen zum Hackathon, andere finden sich spontan vor Ort. Manche Hackathons haben Wettbewerbscharakter, bei denen die besten oder originellsten Lösungen prämiert werden. 

Webinare und ihr großer Bruder

Wer nach der Devise „All things digital“ lebt, für den gibt es jede Menge Online-Bildungsangebote. Praktisch: Man spart sich die Fahrerei und kann von jedem Ort der Welt aus teilnehmen, so lange man ins Netz kommt. Oft reicht sogar schon ein Smartphone.

Das Online-Pendant zum Seminar ist das Webinar. Hier treffen sich Dozent und Teilnehmer in einem speziellen Online-Raum und sind in der Regel per Webcam und Mikrofon miteinander verbunden. Der Dozent kann entweder sein Kamerabild oder seinen Bildschirm zeigen. Oft kommen interaktive und kommunikative Elemente hinzu: Chats, Abstimmungen oder Texteditoren zum Beispiel. Gerade der Chat ist eine beliebte Funktion, um Fragen zu stellen, ohne den Dozenten zu unterbrechen. Bei manchen Webinaren gibt es einen Co-Moderator, der dem Dozenten die Fragen aus dem Chat stellt. Webinare sind in der Regel live, werden aber meistens aufgezeichnet, sodass man sie auch hinterher anschauen kann. Manche Webinare sind einmalige Veranstaltungen, andere sind als Serie von mehreren Terminen konzipiert. Eine Webinar-Sitzung dauert meistens zwischen 45 und 90 Minuten.

Der große Bruder der Webinare sind Online-Kurse. Hier gibt es einen richtigen Lehrplan, der in einem bestimmten Zeitraum vermittelt wird. Die Teilnehmer sollen sich den Stoff selbstbestimmt aneignen, indem sie vorproduzierte Videos anschauen, Texte lesen, Aufgaben lösen oder sich an Diskussionsforen beteiligen. Manchmal gibt es auch eine Live-Session mit einem prominenten Gast. Ansonsten kann aber jeder selbst entscheiden, wann er wie viel Stoff bearbeitet. Da Englisch nun mal die (IT-)Weltsprache ist, gibt es viele Online-Kurse auf englisch, die oft ein weltweites Publikum anziehen. Solche Kurse mit zum Teil mehreren tausend Teilnehmern heißen Massive Open Online Course (MOOC).

Was aber, wenn ich mich nicht zu einem bestimmten Thema weiterbilden will, sondern ein ganz konkretes Problem habe und dringend eine Lösung dafür suche? Dann bin ich auf Frage-und-Antwort-Plattformen wie Stack Overflow richtig. Registrierte Nutzer können Fragen zu ganz spezifischen (Programmier-)Problemen stellen, die Community liefert meist die Antwort dazu. Antworten können sogar bewertet werden, die nützlichsten Antworten sind ganz oben zu sehen.

Fazit

Egal, ob Barcamp, Hackathon, Webinar oder MOOC: Die neuen Weiterbildungsformate setzen viel mehr auf Neugierde, Eigeninitiative und Experimentierfreude als klassische Seminare. Der Spaßfaktor und damit auch der Lernerfolg wird oft höher sein als in einem klassischen Seminar. 

Wenn Sie mehr zu den neuen Weiterbildungs-Formaten, ihren Vor- und Nachteilen, Kosten und Anbietern wissen wollen, laden Sie sich unseren kostenlosen Ratgeber „Hackathons & Co.: Trends in der Weiterbildung“ herunter.

 

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Sergey Rysev

Sergey Rysev ist Leiter Softwareentwicklung & Systemadministration bei GULP Information Services. An der St. Petersburg State University absolvierte der gebürtige Russe den Diplom-Studiengang Mathematik mit den Schwerpunkten Wahrscheinlichkeitstheorie und mathematische Statistik. Vor seinem Einstieg bei GULP im Jahr 2013 hatte er unter anderem bei Ravensburger Digital und Payback leitende Positionen in der Softwareentwicklung inne.